Kurzer Auszug passend eingestellt

Einen Bogen für einen 14jährigen zu kaufen ist kein großes Problem mehr. Inzwischen sind viele Bögen mit kurzem Auszug für Jugendliche und Frauen erhältlich. Die Hersteller legen inzwischen den richtigen Wert auf das Bauen von Bögen mit einstellbarer Auszugslänge, die die Bedürfnisse von nicht so großen Schützen oder der immer größer werdenden Anzahl Jugendlichen, die Bogenschießen wollen.

In den USA bewirkten Filme wie „Die Tribute von Panem“ (org.: Hunger Games) oder „Merida“ (org.: Brave), die jugendliche Bogenschützen als Hauptfigur hatten ein gesteigertes Interesse von Jugendlichen (und ihren Müttern) ein gesteigertes Interesse am Bogenschießen. Dies bemerkt man auch in den Kursen zum Level I, Level II oder Level III Trainer. ( Anmerkung des Übersetzers: In den USA haben die beiden großen Verbände NFAA und USA Archery haben eine gemeinsame Trainerausbildung, die aus drei Stufen besteht)

Wenn man durch die Gänge der ATA-Show geht, sieht man, dass inzwischen jeder Bogenhersteller ein Angebot an Schützen mit kurzem Auszug hat. Tatsache ist, dass das Angebot inzwischen ziemlich beeindruckend ist.

Die Archery Trade Association (ATA) misst die Auszugslänge von der Nocke zum tiefsten Punkt der Griffschale und addiert dann noch 13/4 Zoll. Dieser längere Standard garantiert, dass die Pfeile immer gut über die Pfeilauflage hinausragen. Die ATA möchte mit dieser Politik verhindern, dass die Pfeile zu kurz sind und beim Auszug über die Pfeilauflage gezogen werden.

Jugendliche und Frauen haben in der Regel einen Auszug, der kleiner als 26“ ist. Die meisten Bögen haben einen Auszug zwischen 27“ - 31“. Die Hersteller verstehen allerdings die Bedürfnisse dieser Kundengruppe. Hier nun ein paar Tipps für das Einstellen eines Bogens für kurzen Auszug.

Auszugslänge! Die absolute Priorität.

Nichts ist unbequemer als ein Paar Sportschuhe, die nicht richtig passen. Wenn sie zu eng oder zu groß sind, kann man nicht richtig spielen oder laufen. Die richtige Größe ist wichtig für gute Ergebnisse. Dies gilt für das Bogenschießen ebenso, wie für Sportschuhe. Nur wenn der Bogen richtig zur Körpergröße passt ist man auch in der Lage gute Ergebnisse zu schiessen.

Korrekte Halteposition:

Einen Bogen an einen Schützen anzupassen setzt voraus, dass man weiss, wie ein Bogenschütze sich und seinen Körper im Vollauszug zu positionieren hat. Viele Bogenschützen, in jeder Kenntnisstufe, wissen nicht, was diese Position ist. Je besser ein Bogen zum Schützen passt, umso mehr macht das Schiessen Spass. Das Prinzip ist einfach: Setze den Bogenschützen in die richtige Körperhaltung bei Vollauszug (Halteposition) und stelle danach den Bogen so ein, dass er in diese Position passt. Den Bogen an den Schützen anpassen, nicht umgekehrt. Viel zu oft wird ein Bogen gekauft/verkauft ohne das der Käufer oder der Verkäufer wissen, was die korrekte Halteposition ist.

Definition der korrekten Halteposition:

Wann ist ein Schütze in der richtigen Position einen Bogen zu halten? Wann weiß ich das mit sicherheit, wenn ich die Haltung eines Schützen beurteile? Was für sichtbare Hinweise gibt es für die richtige Haltung im Vollauszug? Die Körperhaltung lässt sich beobachten. Wenn jemand behauptet im Vollauszug zu stehen, kann man an der Körperhaltung mit sicherheit sagen, ob das stimmt oder nicht. Man muss nur das Standardmodell kennen, das die Körperhaltung im Vollauszug definiert.

Die Halteposition im Vollauszug ist die Position in der an der Sehne gezogen wird mit dem Ziel die Schulter und das Schulterblatt in die effektivste Position zu legen um einen Schuss mit Rückenspannung durchführen zu können. Dies legt den Ellbogen der Zughand in eine Linie mit dem Pfeil (von oben gesehen) und erlaubt dadurch die Übertragung der Haltekraft in die Rückenmuskulatur.

Soweit die Theorie, aber man muss auch wissen wie es aussieht. Es sieht aus, wie die Bilder von dem Mädchen. Wenn man die Bilder anschaut, was sieht man? Wie weiß man, das diese Position korrekt ist und andere nicht? Was man am meisten beachten sollte ist der Zugarm. Ihr Unterarm ist in einer direkten Linie mit dem Pfeilschaft wenn man von oben schaut. Dadurch ist ihre Zugschulter in einer Position in der ihr Rückenmuskel ( Rhomboid) maximale Kraft auf das Schulterblatt ausüben kann. Kurzgesagt, sie ist in der Lage ihre Haltekraft auf die Rückenmuskel zu übertragen und dadurch in der Lage die meisten ihrer Armmuskeln zu entspannen, stabiler zu zielen und den Schuss mit Hilfe der Rückenspannung beständiger zu lösen.

Die Frontansicht im Vollauszug zeigt, das sich ihr Zugarm auf einer Ebene mit dem Pfeilschaft befindet. Ihr Ellbogen ist leicht erhöht über dem Schaft. Der Ellbogen sollte niemals unter dem Schaft sein, weil dies ihr Schulterblatt zu dicht an die Wirbelsäule drücken würde. Dies verhindert, das sich die Rückenmuskulatur am Schuss beteiligen. Die Kraft der Rückenmuskulatur ist alles für einen korrekten Schussablauf mit „Back Tension“. Es ist auch zu beachten, dass ihr Bogenarm gestreckt ist. Dadurch sind ihre Knochen in einer Linie und können der Zugkraft des Bogens besser widerstehen.

 

Wenn ein Schütze einen längeren Auszug benötigt, so ist dies einfach zu lösen. Kurzzeitig hilft eine längere D-Loop. Auch das entfernen der Griffschale kann auch kurzfristig helfen. Eine größere Änderung ist das Wechseln von Auszugsmodulen oder eine längere Sehne. Viele Bogen für den kurzen Auszug haben einstellbare Module bei denen die Auszugslänge in 1 Zoll oder ½ Zoll Schritten verändert werden kann. In machen Fällen kann auch der Austausch der Cams auf eine größeren Durchmesser nötig sein, um mehr Auszugslänge zu erhalten. Cams mit kleinem Durchmesser ergeben auch kürzere Auszugslängen.

Einstellbare Cams:

Bogen, bei denen die Auszugslänge ohne eine Presse eingestellt werden kann, sind ein richtiges Plus für einen Jugendlichen. Die meisten Bogen haben Cams, wie der Bogen im Bild. Die Sehne hat zwei Ankerpunkte um die Länge der Sehne einzustellen. Die Sehne hängt am längeren Punkt.

Auf der Kabelseite findet man das einstellbare Module. Das Modul ist in der „G“ Position. Interessant ist auch, dass das Kabel in zwei Positionen gelegt werden kann. Diese sind mit „Growing“ und „Performance“ markiert. „Growing“ steht für kürzere Auszugslänge, „Performance“ für längere.

Stabiles Lösen

Im den Schuss beständig auf hohem Niveau wiederholen zu können muss der Unterarm des Zugarmes direkt hinter den Schaft. Von dieser Position aus wird sich die Zughand sauber und direkt von der Position hinter der Nocke weg bewegen. Diese ausgerichtete Position erleichtert auch gleichmässigen Druck zwischen Bogenhand und Zughand.

Von anderen Positionen hinter der Nock kann der Arm und die Hand ungleichmässigen Druck oder ein Drehmoment auf die Sehne und das Release ausüben. Dies führt dazu, dass jeder Pfeil an einer anderen Stelle auf die Scheibe trifft.

 

Wenn der Bogen mit den Armmuskeln gehalten wird, wegen eines zu kurzen Auszugs, wie auf diesem Bild, wird die Sehne beim Lösen mit Fingern „gezupft“. Beim Lösen mit einem Release wird sich die Hand zur Seite bewegen ( vom Gesicht weg ). Eine weitere Folge ist das Auftreffen der Pfeile links oder rechts von der Scheibenmitte.

Man sollte mehr Aufmerksamkeit der richtigen Position von Zugschulter und Schulterblatt widmen. Das „National Training System“ (USA) benutzt dafür den Begriff „Halte Position“ (holding position) um den Schülern ein geistiges Bild von sich selbst und ihrer Körperposition zu vermitteln. Das Ziel ist dies maximale Benutzung des Skelettes und die minimalste Benutzung der Muskulatur. Es das Entspannen von so vielen Muskeln wie möglich. Dies geschieht wenn die Kraft, die man benötigt den Bogen zu halten, von den Armen in den Rücken verschoben wird. Dieser Standard gibt die Beste Chance für einen guten Schuss

 

 

Einstellen von Jugendlichen und Frauen

Viele, die eine kurze Auszugslänge haben, haben wenig Erfahrung im Bogenschiessen. Dies macht das Einstellen ein wenig schwieriger. Hier kommt ein wenig Erfahrung als Trainer gut. Es ist gut dem Schützen gleich beibringen was im „National Basic and Intermediate Instructor Course“ enthalten ist. Die T-Position

Es fängt damit an die Schüler sich in einem „T“ aufzustellen. Arme ausgebreitet, Handflächen nach unten, Kinn gerade und Schultern gerade. Während der Schüler geradeaus schaut, sollen sie mit den ersten drei Fingern ihrer Zughand einen „Angelhaken“ formen. Die Knöchel sollten flach bleiben und Daumen und kleiner Finger entspannt. Als nächstes soll der Zugarm am Ellbogen und zu einem kleinen Teil an der Schulter gebeugt werden, dass das gebeugte Fingerglied des Mittelfingers an der Kinnspitze liegt. Dadurch richtet sich der Zugarm mit dem Pfeil.

Nachdem dies geschehen ist soll der Schüler seinen Kopf in Richtung Scheibe drehen. Dabei ist darauf zu achten, dass er das Kinn nicht hebt. Als nächstes wird der Bogenarm in Richtung Scheibe, die Hand soll dabei ein „Stop Schild“ formen mit den Knöcheln in einem 45° Winkel, so dass der Daumenballen und NUR der Daumenballen den Bogengriff berühren.

Dabei ist darauf zu achten, dass der Unterarm des Zugarmes an dem imaginären Pfeil ausgerichtet ist. Dies ist die fertige Halteposition.

Der Trick ist jetzt das Ganze mit einem Bogen zu wiederholen. Ein leichter Recurve oder Compound sind jetzt sehr hilfreich, damit der Schüler ohne Anstrengung in die Halteposition ziehen kann.

Ein Messpfeil für die Auszugslänge ist jetzt sehr praktisch. Mit diesem Pfeil und dem Schüler in der korrekten Halteposition lässt sich die Auszugslänge über dem Buttonloch einfach ablesen. Dies ist die „wahre“ Auszugslänge. Für die Auszugslänge nach ATA müssen noch 1.75“ addiert werden.

Mit diesen Angaben ist es möglich einen Compound auf die richtige Auszugslänge einzustellen und dem Schützen in die Hand zu geben. Danach muss aber immer noch die Halteposition mit dem neuen Bogen überprüft werden. Das ist nicht immer einfach, aber mit dem Wissen über die T-Position und über die korrekte Halteposition nicht unmöglich. Der Schütze sollte immer an die korrekte Haltung erinnert werden und wie man sie erreicht.

Sicherheitsaspekte

Für Jugendliche und Frauen sollte man einige Dinge beachten. Viele Jugendliche haben noch nicht die nötige Kraft im Bogenarm um die korrekte Halteposition auf Dauer zu halten. Diese sollten einen Armschutz anziehen. Ebenso gibt es einige, die ihren Ellbogen überstrecken und dadurch ihren Ellbogen vor die Sehne legen. Auch diese brauchen einen Armschutz und dann muss ihnen die korrekte Halteposition ohne Überstreckung gezeigt werden. Ein Fingertab ist für Fingerschützen eine ebenso sinnvolle Investition. Solange die Fähigkeit die korrekte Halteposition regelmäßig einzunehmen noch nicht erreicht ist, kann ein Streifschutz ebenso sinnvoll sein.

Jugendliche haben die Angewohnheit zu wachsen und dies sollte man nicht vergessen. Daher ist es sinnvoll etwa alle vier Monate zu schauen, ob der Bogen angepasst werden muss. Nicht vergessen: Jugendliche wachsen nicht kontinuierlich, sondern in Schüben, daher sollte man immer ein Auge drauf haben.

Zusammenfassung

Schüler und Jugendliche für den Bogensport zu begeistern ist richtig und wichtig. Sie stellen aber auch eine Herausforderung dar. Es von Anfang an richtig zu machen und dies auch weiter zu machen ist bestenfalls schwierig. Die Standards, die in diesem Artikel angesprochen wurden, werden hoffentlich dabei helfen, die angesprochenen Probleme zu lösen.

 

Anmerkung der Redaktion:

Dieser Artikel wurde von Volker Pense aus dem Englischen übersetzt. Der Originale Artikel von Larry Wise erschien im ArrowTrade Magazine und wurde mit Erlaubnis übersetzt. Das Original kann unter arrowtrademag.com oder arrowtrademagazine.com gelesen werden.